Gar nicht so teuer –
die Mär der unbezahlbaren Kosten erneuerbarer Energien

Von Volker Quaschning] | 08.10.2013 | Energiepolitik

Angeblich treibt die EEG-Umlage die Stromkosten für die Haushaltskunden in unbezahlbare Höhen. Dabei entfallen zwei Drittel der Kostensteigerungen der letzten Jahre auf andere Verursacher und Kohlekraftwerke werden mit 20 Mrd. Euro pro Jahr subventioniert, wie der Auszug aus dem Buch Erneuerbare Energien und Klimaschutz eindrucksvoll zeigt.
 

Eine schnelle Energiewende ist unbezahlbar, lautet eine zentrale Botschaft der Politik und der Energiekonzerne, die in den letzten Jahren gar nicht oft genug wiederholt werden konnte. Richtig ist, dass sich die Strompreise zwischen den Jahren 2000 und 2013 mehr als verdoppelt haben. Die folgende Abbiuldung zeigt die Entwicklung der Stromkosten in Deutschland, die sich aus der Erzeugung von konventionellem Strom und der Verteilung, Steuern und Abgaben sowie der so genannten EEG-Umlage zusammensetzen. Die EEG- Umlage deckt die Mehrkosten der Erzeugung erneuerbarer Energien gegenüber konventionellen Kraftwerken und wird bei Haushalten und kleineren Gewerbekunden erhoben. Sie ist als Ursache der Strompreissteigerungen in Verruf geraten. Doch selbst wenn wir die EEG-Umlage komplett streichen würden, bliebe eine Steigerung der Strompreise zwischen den Jahren 2000 und 2013 um stolze 72 Prozent. Hauptkostentreiber waren in der Vergangenheit also nicht die erneuerbaren Energien, obwohl dies stets suggeriert wird.

Die EEG-Umlage fällt zudem noch höher aus als sie eigentlich müsste. Zahlreiche Industriebetriebe sind von der Umlage ausgenommen. Die zunehmenden Kapazitäten erneuerbarer Kraftwerke drücken außerdem die Preise an den Strombörsen. Das ist gut für Industriekunden, die sich direkt an der Börse mit billigem Strom eindecken. Bei den Haushaltskunden kommen diese Preissenkungen hingegen nicht an. Da die EEG-Umlage aus den Mehrkosten der erneuerbaren Energien gegenüber dem Börsenstrompreis berechnet wird, sorgen sinkende Börsenstrompreise für eine höhere EEG-Umlage und damit für höhere Haushaltsstrompreise.

Für das Erreichen der Klimaschutzziele sind fallende Preise für Kohlestrom eine Katastrophe. Eigentlich sollte der CO2-Zertifikatehandel den Preis für Strom aus klimaschädlichen Kraftwerken verteuern und damit zu einem Rückgang der Nachfrage und damit der Emissionen führen. Die Wirtschaftskrise in Europa, eine viel zu großzügige Zuteilung der Zertifikate und der schnelle Ausbau erneuerbarer Energien haben aber zu einem enormen Überangebot an Zertifikaten und damit einem dramatischen Preisverfall im Jahr 2013 geführt. Die Klimafolgekosten durch den ungezügelten Kohlendioxidausstoß müssen künftig aber auch bezahlt werden. Rücklagen dafür gibt es keine. Das Umweltbundesamt beziffert die realen Klimafolgekosten auf 70 Euro je Tonne Kohlendioxid. Anfang 2013 lag der Preis für CO2-Zertifikate unter 5 Euro je Tonne Kohlendioxid. Die nicht umgelegten Klimafolgekosten entsprechen damit alleine in Deutschland einer Subvention von über 20 Milliarden Euro für fossile Kraftwerke.

Eine Studie vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme zeigt zwar eindrucksvoll, dass ein vollständig erneuerbares Energiesystem nicht teurer sein wird als die heutige Versorgung. Das gilt aber erst für die Phase des Endausbaus. Die Investitionen für den Umbau verursachen in der Übergangszeit zwangsläufig höhere Kosten. Wirklich überraschend ist das nicht. Auch bei der Einführung der Kernenergie mussten die Strompreise erhöht werden. Während die noch hohen Preise für erneuerbare Energien kontinuierlich sinken, kennen die Preise für fossile Energieträger nur eine Richtung: nach oben. Die Preise für Heizöl haben sich zwischen 2000 und 2013 rund verdreifacht und sind damit erheblich stärker als die Strompreise angestiegen. Im gleichen Zeitraum ist der Preis für Solarstrom auf ein Viertel gefallen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis erneuerbare Energien überall preiswerter sein werden als konventionelle Energien. Die Länder, die sich zuerst von Erdöl, Kohle, Erdgas und Uran sowie den damit verbundenen Preissteigerungen entkoppelt haben, werden erheblich davon profitieren.

Der Artikel ist entnommen aus dem Buch 
Erneuerbare Energien und Klimaschutz (S. 117-119). 
Den Text sowie Infografiken finden Sie auf:
> www.volker-quaschning.de

 

Volker Quaschning 
studierte Elektrotechnik an der Universität Karlsruhe (TH). Anschließend promovierte er an der Technischen Universität Berlin über Simulation von Photovoltaiksystemen und habilitierte anschließend über Szenarien einer klimaverträglichen Energieversorgung für Deutschland. Von 1999 bis 2004 war er Projektleiter für solare Systemanalyse beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) an der Außenstelle PSA in Almería in Spanien und arbeitete dort unter anderem zu solarthermischen Kraftwerken. Seit 2001 betreibt er auf seiner Webseite ein Informationsportal zu erneuerbaren Energien und Klimaschutz. Seit April 2004 lehrt und forscht Quaschning an der HTW Berlin im Fachgebiet Regenerative Energiesysteme.

(Quelle: wikipedia.org)